Wir sind nicht allein – in uns lebt ein gewaltiges Ökosystem, das unser Wohlbefinden steuert. Billionen von Mikroorganismen tummeln sich in unserem Darm, beeinflussen die Verdauung, regulieren Hormone und bestimmen sogar mit, ob wir Kalorien speichern oder sie verbrennen. Industrielle Ernährung und Fertigprodukte versorgen diese Mikroben aber nicht ausreichend, und das kann ungute Folgen für unsere Gesundheit haben. Dr. Sean Spencer von der Abteilung Gastroenterologie der Stanford University sagt: Der größte Fehler, den wir machen, ist, dass wir zu wenig Ballaststoffe und zu viele einfache Kohlehydrate essen! Während einfache Kohlenhydrate aus Zucker, Weißbrot oder Softdrinks den Blutzucker sofort in die Höhe schnellen lassen, werden komplexe Kohlenhydrate aus Vollkorn, Hülsenfrüchten und Gemüse langsam verdaut und versorgen den Körper langfristig mit Energie – und sie sind das Lieblingsfutter unserer Darmbakterien! Komplexe Kohlenhydrate: Das sind die Ballaststoffe, lösliche und nicht lösliche, die wir nicht verdauen, die also nicht ins Blut gelangen. Sie sind vor allem in Gemüse, Vollkorn und Obst enthalten. In tierischer Nahrung, in hochverarbeiteter Nahrung ist NULL davon. Während einfache Zucker nämlich direkt ins Blut schießen und unseren Blutzucker in die Höhe treiben, gelangen also Ballaststoffe unverdaut in den Dickdarm – als Nahrung für unser Mikrobiom, unsere unfassbar vielen Mitbewohner! So verlangsamen sie die Zuckeraufnahme, stabilisieren den Blutzucker und fördern eine gesunde Insulinreaktion.
Und: GLP-1, das Hormon, das den Blutzucker mitreguliert und das Sättigungsgefühl steuert, wird durch Ballaststoffe aktiviert. Es ist quasi das natürliche Ozempic und Co. Mit mehr Ballaststoffen in der Nahrung fühlen wir uns früher satt. Und: wer wenig Ballaststoffe isst, fördert entzündliche Prozesse und programmiert sein Mikrobiom buchstäblich darauf, mehr Kalorien aus der Nahrung aufzunehmen. Es sieht ganz danach aus, dass die aktuelle Adipositas-Pandemie unter anderem mit einem Mangel an Ballaststoffen zusammenhängt. Übrigens: Die resistente Stärke, die wir schon einmal hier im Briefing vorgestellt hatten, spielt hier auch schützend mit, denn auch sie gehört zu den Ballaststoffen. Sie ist also auch Nahrung für die „guten“ Bakterien im Dickdarm. Mit dem Ergebnis, dass sich die Fettverbrennung verbessert, das Sättigungsgefühl steigt, und der Blutzucker stabil bleibt! Wo findet man resistente Stärke? Unter anderem in unreifen Bananen, in gekochten und abgekühlten Kartoffeln, Vollkorn-Nudeln und braunem Reis, in abgekühltem Haferbrei und besonders in Hülsenfrüchten.
Als kleines Beispiel für den Einfluss des Mikrobioms auf das Gewicht hier ein Experiment: Man spritzte schlanken Mäusen den Stuhl von übergewichtigen Mäusen in den Darm. Sie nahmen rapide zu!
Nicht wegen der Ernährung – sondern nur wegen der veränderten Zusammensetzung ihrer Darmbakterien.